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Wenn der Kindergarten Mittags schließt, wie kann ich arbeiten?

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Die beiden Geschichten von Sandra und Tanja zeigen, wie notwendig eine rasche Bildungsreform in unserem Land ist. Österreich hinkt nicht nur in Sachen elementare Bildung hinterher, die Regierenden verursachen durch ihr Nichtstun sogar einen Rückschritt. 

Eine Elementarpädagogin gibt Einblicke 

"Die Regierenden achten kaum auf die elementare Bildung. Bezahlen müssen das Versäumnis unsere Kinder"

Mein Name ist Tanja, ich bin 28 Jahre alt und ich arbeite als Elementarpädagogin in der Steiermark. Es ist schon lange kein Geheimnis mehr, dass die ersten Lebensjahre eines Kindes von höchster Bedeutung sind. Es ist auch klar, dass es ein optimales Umfeld braucht, um die Bedürfnisse unserer Jüngsten bestmöglich zu erfüllen. Die Anforderungen an den Beruf steigen und es wird selbstverständlich höchste Professionalität erwartet. Doch mit den unzufriedenstellenden Rahmenbedingungen, die uns beinahe täglich begleiten, ist das kaum möglich.

Eine elementarpädagogische Fachkraft für 25 Kinder ist einfach zu wenig. Im beruflichen Alltag ist es fast unmöglich, allen Kindern und Bedürfnissen gleichzeitig gerecht zu werden. Wenn mir Marie ihre Zeichnung voller Stolz präsentieren will, Dijana gleichzeitig aus der Toilette "Fertig" ruft, Aiman sein Getränk verschüttet hat, und Martins Jacke zum Aufwischen benutzt, muss in Sekundenschnelle entschieden werden, welches Bedürfnis nun Priorität hat. Dabei sind doch alle gleich wichtig! Bei diesen Gruppengrößen und Arbeitsbedingungen wundert es mich nicht wirklich, dass immer weniger Absolvent:innen nach ihrer Ausbildung in den Beruf einsteigen.

Das Gehalt steht ebenso in keiner Relation zu der Verantwortung, die wir als Mitarbeitende in elementarpädagogischen Einrichtungen leisten. Vor allem dann, wenn es an Personal fehlt. Durch diese unzureichenden Rahmenbedingungen ergeben sich automatisch auch Öffnungszeiten, die den Bedürfnissen von Familien immer seltener gerecht werden. Und wie viele von uns wissen, in den meisten Fällen müssen Frauen die Konsequenzen dieser Missstände in der Elementarpädagogik tragen

Eine Mutter kann eine Beförderung nicht annehmen

"Wenn der Kindergarten Mittags schließt, wie soll ich arbeiten?"

Mein Name ist Sandra, ich bin 34 Jahre alt. Seit Jahren arbeite ich in einem Modegeschäft in Niederösterreich. Begonnen habe ich als Vollzeitkraft, dann wurde ich schwanger und war rund eineinhalb Jahre in Karenz. Da mein Mann in einem nahegelegenen Betrieb Vollzeit als Elektriker arbeitet, und ich mir noch etwas mehr Zeit bei der Begleitung unserer Tochter gewünscht habe, fing ich erstmal wieder als Teilzeitkraft in dem Modegeschäft an.

Unsere Tochter hat – für die Zeit in der ich arbeiten war – einen netten Platz in einer Kinderkrippe, rund 10 Autominuten von unserem Wohnort, bekommen. Vielleicht kennen das einige Leser:innen: Die Zeit ist verflogen. Unsere Kleine ist mittlerweile knapp vier Jahre alt, sie ist vor wenigen Monaten in den Kindergarten gekommen. Fast zeitgleich erhielt ich ein spannendes Angebot von meinem Chef. Ich wurde gefragt ob ich die Teamleitung in unserem Geschäft übernehmen möchte. Die anderen Mitarbeiter:innen haben mich vorgeschlagen, und auch Stammkund:innen würden immer wieder mal nach meiner Beratung fragen. Ich war sehr gerührt. Eine tolle Chance meine Talente, und mein Wissen im Modebereich weiterzuentwickeln, ich müsste aber wieder für 38,5 Stunden die Woche arbeiten. Leider kam die Enttäuschung recht schnell nach dem Angebot.

Kein Kindergarten in erreichbarer Nähe hatte auch nur annähernd Öffnungszeiten, die mit dieser Vollzeitstelle vereinbar gewesen wären. Eine zeitliche Aufteilung mit meinem Mann ist auch nicht möglich, denn er verdient knapp das Doppelte von meiner potenziellen Vollzeitstelle. Gerade jetzt wo so vieles so teuer geworden ist, können wir uns solch ein Risiko nicht leisten.

Und hier geht für mich die riesige Ungerechtigkeit los: Für unsere Familie ist es ein Risiko, wenn ich mehr Verantwortung in meinem Beruf ergreifen möchte. Das ist doch einfach unglaublich! Wir würden sogar einige Kilometer Fahrt in Kauf nehmen, um unserer Tochter einen tollen Ganztagesplatz bieten zu können. Sie profitiert doch auch enorm vom Kindergarten, das merken wir tagtäglich. Ihre sozialen Kompetenzen - wie beispielsweise ihre Resilienz - haben sich so toll geformt. Wir sind richtig stolz auf unsere Kleine, dennoch möchte ich nicht weniger Chancen im Leben haben, nur weil ich eine Mutter bin! Meine Situation zieht ja einen Rattenschwanz nach sich. Durch die Jahre in Teilzeit werde ich weiterhin bei vielen Dingen finanziell von meinem Mann abhängig sein. Ich werde weniger Pension bekommen. Es muss sich endlich was tun, die Regierenden müssen doch erkennen, dass es so nicht weitergehen kann.

Jetzt Familien und Unternehmen die Flügel heben

Eine umfassende Bildungsreform hilft nicht nur Elementarpädagog:innen wie Tanja, sich wieder voll und ganz den individuellen Bedürfnissen der Kinder zu widmen. Sie hilft auch Müttern wie Sandra, die sich sehnlich mehr Verantwortung im Beruf wünschen. Sie hilft aber auch den vielen Unternehmerinnen und Unternehmern, die enorm unter dem Fachkräftemangel leiden, der sich auch durch fehlende Kinderbildungsplätze ergibt. Mehr zu den Hintergründen, unsere Forderungen und unsere Visionen erfährst du hier. Außerdem kannst du auch bei unserer Umfrage mitmachen!

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