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Mehr Freiheit für Österreichs Betriebe

Während in den meisten Ländern Europas das Einkaufen am Sonntag längst selbstverständlich ist, gelten in Österreich unübersichtliche Ausnahmeverordnungen.

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© NEOS/KI

Österreich ist eines der restriktivsten Länder in Europa, was die Sonntagsöffnung betrifft. Zum Vergleich: Schweden erlaubt bereits seit 1972 die tägliche Öffnung ohne Einschränkung, Italien liberalisierte 2012 vollständig und sogar in Deutschland gibt es mittlerweile immerhin bis zu zehn verkaufsoffene Sonntage jährlich – nur Österreich bleibt restriktiv. In 35 der 46 europäischen Hauptstädte können Geschäfte auch am Sonntag öffnen. Nur elf Hauptstädte – darunter auch Wien – kennen grundsätzlich keine Sonntagsöffnung. 

Die Leidtragenden sind nicht nur Konsument:innen und unsere Gäste aus dem Ausland, diese Blockade schadet uns wirtschaftlich und kostet nicht nur echten Netto-Zusatzumsatz, sondern auch zusätzliche Steuereinnahmen, auf die Österreich angesichts der knappen Kassen nur schwer verzichten kann. Und dass die Nachfrage der Kund:innen da ist, weiß jeder, der schon einmal an einem Sonntag im Supermarkt am Wiener Praterstern oder am Salzburger Hauptbahnhof war. Das haben mittlerweile auch manche Bundesländer erkannt und erlauben in Tourismusregionen eine Sonntagsöffnung durch Ausnahmeverordnungen.

Ein unübersichtlicher Fleckerlteppich an regionalen Ausnahmeregelungen

Doch es wäre nicht Österreich, würde es nicht in jedem Bundesland andere Regeln geben. In der Wiener Innenstadt kann man am Sonntag etwa Süßigkeiten und Souvenirs kaufen, sonst hat alles geschlossen. In der Steiermark kommt es auf die Jahreszeit an: Wer im Winter etwa in Schladming urlaubt, kann nach dem Skifahren noch einkaufen gehen. Wer im Sommer schnell etwas fürs Sonntagsessen braucht, der muss sich eine Tankstelle suchen. In Kärnten ist es umgekehrt: Im Sommer kann man beispielsweise am Millstätter See an Sonntagen ganz normal im Supermarkt einkaufen. Wer das im Winterurlaub auch machen will, steht vor verschlossenen Türen.

Die Liste solcher Beispiele ist lang und zieht sich durch alle Bundesländer. In jeder Region gelten andere Regeln und während Geschäfte in einer Gemeinde am Sonntag geöffnet haben, dürfen Supermärkte direkt hinter der Ortsgrenze erst wieder am Montag aufsperren. Ein Fleckerlteppich, bei dem niemand mehr durchblickt.

Regelungen müssen den Unternehmen mehr Gestaltungsspielraum lassen

Wir NEOS setzen uns schon seit Jahren für eine Liberalisierung am Sonntag ein und haben unsere Vorschläge auch in den Regierungsverhandlungen eingebracht. Diese haben aber gezeigt, dass hier Welten und Ideologien aufeinanderprallen. Unsere Regierungspartner waren letztlich nur zu Minimalkompromissen bei den Automatenshops bereit – wir konnten uns nur darauf einigen, dass Nahversorger, die gänzlich oder in Randzeiten digital und ohne angestelltes Personal betrieben werden, aus dem Öffnungszeitengesetz ausgenommen werden. Was eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte. Aber selbst das ist bis heute noch nicht umgesetzt.

Wir müssen aber jetzt auch im Bereich Ladenöffnungszeiten endlich gute Lösungen liefern – für unsere Betriebe, für das Budget, für den Tourismus, für alle Österreicher:innen.

Dass eine weitgehende Liberalisierung, wie wir NEOS sie gerne hätten, umfassendere Verhandlungen auch mit den Kollektivvertragspartnern braucht und in dieser Legislaturperiode nicht möglich ist, ist klar. Aber wir müssen die Regeln trotzdem schon jetzt flexibler gestalten und den Unternehmen mehr Gestaltungsspielraum lassen. Deshalb wollen wir:

  1. auf Landesebene möglichst weitgehende, einheitliche und unbürokratische Regelungen und
  2. allen inhabergeführten Geschäften in Österreich, also jenen ohne angestelltes Personal, die Sonn- und Feiertagsöffnung erlauben.

Beides könnte rasch und unbürokratisch umgesetzt werden. Wichtig ist, dass wir jetzt handeln und nicht noch mehr Zeit und Geld mit ideologischen Debatten vergeuden. Denn wie teuer uns das Nichtstun zu stehen kommt, hat uns das Beispiel Wien vor Augen geführt.

Wenn eine Unternehmerin oder ein Unternehmer selbst an Sonn- und Feiertagen arbeiten möchte und so Wertschöpfung generiert und Konsumenten-Bedürfnisse erfüllt werden können, dann ist das für uns ausschließlich positiv zu betrachten.
Markus Hofer

NEOS-Sprecher für Wirtschaft, Finanzen, Industrie und Standort

Mit dem Eurovision Song Contest 2026 war eines der größten internationalen Events zu Gast in Wien. Menschen aus ganz Europa haben Wien besucht, unsere Hotels gefüllt, sich unsere österreichische Küche schmecken lassen, unsere Sehenswürdigkeiten bewundert – einkaufen oder gar shoppen konnten sie am Sonntag nicht. Für viele Besucher:innen war das schlicht unverständlich. Wer aus Schweden, Italien, Spanien, Frankreich oder den Niederlanden kommt, kennt es gar nicht anders, als auch am Sonntag spontan einkaufen zu können. In Österreich standen sie stattdessen vor verschlossenen Türen.

Europa zeigt vor: flexible Öffnungszeiten funktionieren auch gemeinsam mit Arbeitnehmer:innenrechten

Das hat uns um viel Geld gebracht: 150 Millionen Euro sind beim ESC liegen geblieben. Das ist Geld, das österreichische Betriebe verdienen hätten können.– Geld, das Arbeitsplätze absichert, schafft und finanziert. Leider wird die Diskussion oft so geführt, als gäbe es tausend gute Gründe gegen eine Sonntagsöffnung. Tatsächlich zeigt aber ein Blick über unsere Grenzen, dass flexible Öffnungszeiten überall anders ja funktionieren – und zwar ohne, dass Arbeitnehmerrechte abgeschafft werden und jeder plötzlich 24/7 arbeiten muss.

Wir müssen weg von einem ideologischen Entweder/Oder – es geht nicht um Arbeitnehmer:innenrechte einerseits und mehr wirtschaftliche Freiheit andererseits. Gute Politik kann beides ermöglichen. Gute Politik muss beides ermöglichen.

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