Österreichs Hochschulen zukunftsfit machen
Studierende brauchen gute Betreuung und gesicherten Zugang zu Kursen. Wir wollen effiziente Hochschulen und ein Studium, das in vernünftiger Zeit zu schaffen ist.

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Heute schließen im Bachelor nur 21 Prozent in der Regelzeit ab (OECD-Schnitt 43%). Das liegt nicht am Talent. Österreich hat hervorragende Wissenschafter:innen, engagierte Lehrende und international sichtbare Forschung, die Universität Wien steht im THE-Ranking 2026 erstmals unter den Top 100.
Was fehlt, ist nicht Begabung. Es ist ein System, das zu viel nebeneinander betreibt und zu wenig zu Ende führt: 77 Hochschuleinrichtungen in vier Sektoren, 3.600 Studienangebote, parallele IT-Welten und Leistungsvereinbarungen mit vielen Berichten, aber wenig Konsequenzen. Wer bessere Hochschulen will, muss die Strukturen ändern. Höhere Beiträge durch Drittstaatsangehörige und Langzeitstudierende brächten rund 100 Millionen Euro zusätzlich pro Jahr.
Exzellente Universitäten brauchen klare Profile und eine Finanzierung, die Leistung belohnt statt Doppelstrukturen. Dazu kommen Landes-Privatuniversitäten, die mit Steuergeld mitfinanziert werden. Das kostet alles viel Geld – macht aber die Hochschulen nicht besser. Weder für die Lehrenden, noch für die Studierenden.Martina von Künsberg Sarre
Stv. Klubobfrau, Bildungs- und Wissenschaftssprecherin
Reformen in drei Bereichen:
1. Ineffizienzen im Hochschulsystem beheben
Mehrgleisigkeiten verhindern ein effizientes Gesamtsystem. Hochschulen sollen auch keine Prestigeprojekte für Landeshauptleute und Bürgermeister sein, sondern Motor für Innovation und Forschung. In Österreich gibt es 19 private Hochschulen, die zu einem großen Teil mit Steuergeld finanziert werden. Zu viele kleinteilige oder wenig relevante Berichtspflichten oder Anzeize in den Leistungsverbarungen belasten Hochschulen unnötig
Unsere Maßnahmen:
- Finanzielle Anreize in den Zielvereinbarungen für Kooperationen, gemeinsame Services und Zusammenschlüsse.
- Öffentlich finanzierte Privatuniversitäten müssen in die gesamthafte Hochschulplanung einbezogen werden. Nur Institutionen, die ausschließlich private Mittel nutzen, sollen zumindest künftig "privat" heißen.
- Die neue IT:U muss in die JKU eingegliedert werden, anstatt parallele Strukturen aufzubauen.
- Klare Vorgaben sind in den Zielvereinbarungen der Hochschulen vorzusehen. Deren (Nicht-)Erreichung muss (finanzielle) Konsequenzen nach sich ziehen.
- Das Berichtswesen in den Zielvereinbarungen gehört radikal gekürzt.
2. Studium verbindlicher machen – Qualität erhöhen
Das Hochschulsystem ist, gerade bei Universitäten, durch wenig Verbindlichkeit gekennzeichnet und erschwert so für alle, Hochschulen und Studierende, die Planung und Organisation eines Studiums. Derzeit schließen nur 21 Prozent der Studierenden den Bachelor in der Regelzeit ab.
Unsere Maßnahmen:
- Die Mindeststudienleistung von derzeit 16 ECTS soll zumindest verdoppelt werden. Damit muss jedoch ein besseres Betreuungsverhältnis und ein gesicherter Zugang zu Kursen einhergehen.
- Dort, wo beste Betreuung und Infrastruktur sonst nicht gewährleistet werden können, müssen Zugangsbeschränkungen ausgeweitet werden. Aufstieg gelingt nicht durch ein zugangsfreies, sondern durch ein abgeschlossenes Studium.
- Ein echter Teilzeitstudium-Status für Beruf und Betreuung soll geprüft und ausgearbeitet werden.
- Die Höhe der Studienbeiträge wurde seit deren Einführung 2001 nicht mehr angepasst. Daher wollen wir eine Valorisierung des Studienbeitrags für EU/EWR-Bürger nach Überschreitung des Toleranzsemesters von derzeit 363,36 Euro auf 708,5 Euro pro Semester.
- Erhöhung des Studienbeitrags für Drittstaatsangehörige von derzeit 726,72 Euro auf 2.500 Euro pro Semester, verbunden mit einem erleichterten Arbeitsmarktzugang und Bleibeanreizen für benötigte Qualifikationen und Talente.
- Einrichtung einer Arbeitsgruppe zur Einführung allgemeiner nachgelagerter Studienbeiträge.
3. Mehr private Mittel lukrieren und Wettbewerb erhöhen
In den aktuellen Zielvereinbarungen im Hochschulsektor gibt es Mittel, die im Wettbewerb vergeben werden. Allerdings hat das Abschneiden in den relevanten Indikatoren fast keine Konsequenz. Selbst bei Nicht-Erreichen werden Budgetmittel ausgezahlt. Die Drittmittelquote österreichischer Hochschulen liegt unterhalb des OECD-Schnitts und betrug 2024 insgesamt rund 1 Milliarde Euro. Der private Finanzierungsanteil öffentlicher Universitäten über beispielsweise Stiftungen ist etwa nur halb so hoch wie im OECD-Durchschnitt. Nur etwa 24 Prozent der Drittmittel österreichsicher Universitäten kommen von Unternehmen, über 72 Prozent aus öffentlicher Finanzierung. Hier braucht es bessere Anreize.
Unsere Maßnahmen:
- Die Wettbewerbskomponente in den Zielvereinbarungen muss erhöht und Konsequenzen verbindlich gemacht werden.
- Erlöse aus nicht öffentlich finanzierten Drittmitteln müssen im Wettbewerbsindikator berücksichtigt werden.
- Privates Vermögen soll in Zukunft dauerhaft und rechtssicher an Bildung, Forschung und Wissenschaft gebunden werden können. Insbesondere braucht es hierfür eine Öffnungsklausel im BAO-Zweckkatalog sowie eine Generalklausel „Förderung der Wissenschaft und Forschung zum Wohl der Allgemeinheit" als Auffangtatbestand. Steigt der private Finanzierungsanteil öffentlicher Universitäten über Stiftungen auf OECD-Schnitt, würde das rund 30 Millionen Euro Mehreinnahmen pro Jahr bedeuten.
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