
Teilarbeitsfähigkeit: Wie wir ältere Menschen länger gesund in Beschäftigung halten
Weil wir erfreulicherweise immer länger leben, aber kaum später in den Ruhestand gehen, droht dem Staatshaushalt eine Überlastung.

© NEOS
Seit 1978 hat sich die durchschnittliche Lebenserwartung in Österreich bei Frauen auf über 84 Jahre und bei Männern auf 80 Jahre erhöht. Das bedeutet ein Plus von durchschnittlich einem zusätzlichen Lebensjahrzehnt, doch wir gehen heute im Durchschnitt gerade einmal ein Jahr später in Pension als damals.
Bereits jetzt fließt mehr als jeder vierte Budget-Euro in die Pensionen und bis 2030/31 steigen die Ausgaben auf fast ein Drittel des gesamten Budgets. Der Nachhaltigkeitsmechanismus zeigt ganz klar, dass hier eine finanzielle Lücke klafft. Wenn nicht gehandelt wird, droht mittelfristig eine Kürzung der Pensionen – das wollen wir verhindern.
Säule 1: Gesetzliches Antrittsalter an die Lebenserwartung anpassen
Um das Pensionssystem ohne Kürzungen demografiebedingt stabil und generationengerecht zu halten, schlagen wir NEOS eine schrittweise Anpassung des gesetzlichen Antrittsalters vor:
Dieser moderate, schrittweise Anstieg über viele Jahre hinweg wahrt den verfassungsrechtlich gebotenen Vertrauensschutz und bietet allen Erwerbstätigen planbare Übergänge für ihre Lebensplanung. So wird verhindert, dass künftige Budgets von den Pensionskosten erdrückt werden und es bleibt genügend Spielraum für Pflege, Gesundheit und echte Entlastung.
Die Sicherheitsgarantie: „45 Jahre Arbeit sind genug“
Für Menschen, die sehr früh zu arbeiten begonnen haben, gilt ein klares Fairness-Prinzip: Wer 45 Jahre lang gearbeitet und eingezahlt hat, soll weiterhin früher in den Ruhestand gehen können.
Säule 2: Automatisches Pensions-Splitting gegen Altersarmut von Frauen
Altersarmut in Österreich ist überwiegend weiblich: Zwei Drittel der rund 200.000 Bezieherinnen und Bezieher einer Ausgleichszulage („Mindestpension“) sind Frauen. Hohe Teilzeitquoten, lange Karenzzeiten und ungleich verteilte Betreuungs- und Pflegeaufgaben führen zu wesentlich geringeren Pensionsansprüchen.
Das aktuelle freiwillige Pensionssplitting ist eine Fehlkonstruktion. Im Jahr 2020 wurde es bei knapp 80.000 Geburten in gerade einmal rund 1.000 Fällen genutzt. Das liegt nicht nur an mangelnder Bekanntheit, sondern an einem strukturellen Ungleichgewicht: Der erwerbstätige Elternteil (oft mit niedrigem oder mittlerem Einkommen) muss auf eigene Ansprüche verzichten, während der betreuende Teil ohnehin schon Kindererziehungszeiten erhält. Es entsteht ein System von „Geben und Empfangen“ statt echter Partnerschaftlichkeit.
Altersarmut ist kein Schicksal, sondern die Folge eines Systems, das Sorgearbeit einseitig bestraft.Beate Meinl-Reisinger
NEOS-Vorsitzende
Das automatische, geschlechts- und budgetneutrale Pensionssplitting verteuert das System nicht, sorgt aber für gerechte Verhältnisse:
Bewährte Leistungen bleiben bestehen
Um Frauen und Familien nicht zusätzlich zu belasten, bleiben bewährte Säulen erhalten:
Aufruf zum überparteilichen Pensionsgipfel im Herbst 2026
Wir wollen kein System, das jedes Jahr aufs Neue über Kürzungen debattiert, sondern eines, das verlässlich und planbar bleibt. Deshalb fordern wir NEOS einen überparteilichen Pensionsgipfel ab Herbst 2026. Dieser soll öffentlich, faktenbasiert und unter Einbindung aller Parlamentsparteien, der Sozialpartner, der Wissenschaft sowie der Versicherungsträger stattfinden, um gemeinsam eine tragfähige, zukunftssichere Lösung zu erarbeiten.

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