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10 Projekte zur Stärkung der Bildung im Schuljahr 2026/27

Bei den Neuerungen steht die Frage im Mittelpunkt, was wir besser machen können, damit Schüler:innen gut lernen können, Lehrkräfte gute Arbeit leisten können und Schulen die Unterstützung bekommen, die sie brauchen.

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© ORF ON (Screenshot)

Bildungsminister Christoph Wiederkehr stellte heute Neuigkeiten für das im Osten Österreichs am 7. September beginnende neue Schuljahr vor. Es geht um Maßnahmen für einen Schulstandort, der besser unterstützt, stärker entlastet und transparenter wird. Insgesamt sind es zehn Projekte, die im neuen Schuljahr die Bildung in Österreich weiter stärken werden.

Die Personalsituation zum Schulstart ist insgesamt gut. In den meisten Bundesländern ist der wesentliche Personalbedarf bereits abgedeckt, der Schulstart ist somit gesichert. Der vormals flächendeckende Lehrkräftemangel konnte zurückgedrängt werden. Was zu sehen ist, sind sehr unterschiedliche regionale, fachliche und schulartenspezifische Situationen, etwa Herausforderungen an Volksschulen und punktuell in einzelnen Regionen.

Bei der Sommerschule gibt es mit rund 58.600 Schüler:innen eine Rekordteilnahme in ganz Österreich. Die Anmeldezahlen bestätigen ihre Wirkung. Die verpflichtende Sommerschule ist ein echter Startvorteil für die Kinder und Jugendlichen, die nicht ausreichend gut Deutsch sprechen. Sie erhalten in diesen beiden Wochen die Chance, ihre Sprachkenntnisse wieder aufzufrischen und zu stärken, um so zu Schulbeginn bestmöglich am Unterricht teilnehmen zu können. 

Mit dem Chancenbonus wird gezielt in Schulen mit besonders großen Herausforderungen investiert. Bei der Deutschförderung wird Schulen mehr Flexibilität gegeben. Mit standortbezogenen Schuldaten wird für mehr Transparenz gesorgt. Schulleitungen werden durch das Mittlere Management entlastet. Freiraum Schule sorgt für weniger Bürokratie. Und mit Perspektivengesprächen und Suspendierungsbegleitung werden jene Schüler:innen gestärkt, bei denen die Gefahr besteht, den Anschluss zu verlieren.

Nicht jedes Kind braucht dasselbe. Nicht jede Schule hat dieselben Heraus­forderungen. Aber jedes Kind hat das Recht auf die bestmögliche Bildung.
Christoph Wiederkehr

Bildungsminister

Die zehn vom Bildungsminister präsentierten Projekte im Detail:

1. Chancenbonus startet

Ab dem neuen Schuljahr erhalten 400 Volks- und Mittelschulen in ganz Österreich, die unter besonders herausfordernden sozialen Rahmenbedingungen arbeiten, zusätzliche Unterstützung in Form von Personalressourcen. Wir lösen damit ein Versprechen ein und investieren trotz Budgetknappheit in die Schulen, die es am dringendsten brauchen. Die Auswahl der jeweiligen Personalkategorien erfolgte durch die Schulleitungen selbst und ist konkret an die konkreten Bedarfe vor Ort angepasst und eng an entsprechende Schulentwicklungsmaßnahmen gekoppelt.

2. Deutschförderung wird neu aufgesetzt

Insgesamt haben 52% aller Schulen mit Deutschförderklasse ein eigenes, innovatives Deutschförderkonzept eingereicht, was ihnen künftig ermöglichen soll, auf die Bedürfnisse ihrer Schüler:innen noch flexibler einzugehen und Deutschförderung in ihrem eigenen Ermessen, im Rahmen der Schulautonomie, entsprechend ihrer Rahmenbedingungen wirksam auszugestalten. Vom neuen Modell der Deutschförderung profitieren im neuen Schuljahr rund 23.340 außerordentliche Schüler:innen – das ist ein starkes Zeichen und ein großer Erfolg im ersten Jahr der Umsetzung.

3. Veröffentlichung ausgewählter standortbezogener Schuldaten beginnt

Wie im April 2026 angekündigt, werden Anfang Oktober erstmals ausgewählte, öffentlichkeitsrelevante Daten im ersten Schritt zu Österreichs Volksschulen veröffentlicht. Dies erfolgt auf einer neuen Informationsplattform des Bildungsministeriums mit dem Ziel eines datenbasiert geführten Diskurses, der die Schul- und Unterrichtsqualität an allen österreichischen Schulen steigert – durch mehr Transparenz, durch faire Information aller Erziehungsberechtigten und durch die Einbindung der Schulpartner.

4. Mittleres Management sorgt für Entlastung für Schulleitungen

Damit Schulleitungen und Lehrpersonen den steigenden organisatorischen Anforderungen gerecht werden können und der Fokus auf gelingendem Unterricht sowie individueller Förderung liegt, braucht es starke Teams und gezielte Entlastungen. Mit der Einführung eines mittleren Managements gewinnen Schulleitungen mehr Kapazitäten für strategische und pädagogische Führungsaufgaben. Gleichzeitig ermöglicht diese Struktur eine intensivere Begleitung und Förderung der Lehrkräfte und stärkt die Unterrichtsqualität. Mit dem neuen Schuljahr 2026/27 werden 620 Planstellen zur Verfügung gestellt. Der Vollausbau erfolgt im Schuljahr 2027/28, dann werden es ca. 800 Planstellen sein. Das Bildungsministerium arbeitet an einem eigenen Fortbildungsangebot für Personen im Mittleren Management. Weiters werden die Bildungsdirektionen Vernetzungstreffen anbieten, um den Erfahrungsaustausch zwischen den Schulen anzuregen.

5. Entbürokratisierung mit der Initiative „Freiraum Schule“

Lehrer:innen und Schulleitungen sollen von administrativen Aufgaben entlastet werden und es soll mehr Freiraum für Unterricht, Schulentwicklung und pädagogische Arbeit geschaffen werden. Im Rahmen eines breit angelegten Beteiligungsprozesses haben 2025 über 19.000 Personen aus der Schulpraxis und Bildungsverwaltung ihre Erfahrungen und Ideen eingebracht. In einem ersten Schritt wurden bereits 80 Prozent der Rundschreiben gestrichen oder neu geordnet – eine Maßnahme, die sich recht schnell umsetzen ließ. Mit dem neuen Schuljahr wird außerdem mit der neuen Plattform „Teachers.Direct“ ein neues, zentrales Kommunikationstool für Lehrpersonal und Bildungsdirektionen starten, mit dem Formulare rasch und einfach digital übermittelt werden können, wo bisher ausgedruckt, händisch ausgefüllt und wieder eingescannt werden musste.

6. Perspektivengespräche bei Schulabbrüchen

Ein Perspektivengespräch wird verpflichtend bei Ausschluss oder Abmeldung von Schüler:innen ab der 9. Schulstufe an allgemeinbildenden höheren und berufsbildenden mittleren und höheren Schulen geführt. Die Organisation wird durch die Schulleitung übernommen. Das Gespräch wird mit der Schülerin oder dem Schüler, zumindest einer erziehungsberechtigten Person, einer vertrauten Lehrperson sowie ggf. einer weiteren externen Person (Schulpsychologie, Schulsozialarbeit, Jugendcoaching etc.) geführt. Zu den Inhalten des Gesprächs gehören die Analyse für die Gründe des Abbruchs bzw. der Abmeldung, die Beratung über mögliche Bildungswege, die Rückmeldung zu Erfahrungen und Rahmenbedingungen in der Schule sowie Information über die Ausbildungspflicht. Die Mitwirkung der Erziehungsberechtigten wird verpflichtend eingefordert. Bei einer Verletzung der Mitwirkungspflicht sind in letzter Konsequenz Verwaltungsstrafen vorgesehen.

7. Suspendierungsbegleitung

An allen allgemeinbildenden Pflichtschulen sowie allgemeinbildenden höheren und berufsbildenden mittleren und höheren Schulen werden einheitliche Standards zur Suspendierungsbegleitung etabliert. Diese wird durch die Bildungsdirektion flexibel organisiert, entweder ganz, zeit- oder teilweise am Schulstandort oder auch ortsungebunden, in schulartenübergreifenden Gruppen oder in Kooperation mit fachlich geeigneten Organisationen. Schüler:innen erhalten einen individuellen Förderplan, in dem das Ausmaß der Suspendierungsbegleitung sowie die Mitwirkungspflichten der Eltern (bspw. Teilnahme an einem Entwicklungsgespräch) bekannt gegeben werden. Es wird sichergestellt, dass Schüler:innen während der Suspendierung individuell pädagogisch als auch psychosozial in einem Umfang von mindestens 8 bis 20 Stunden pro Woche von einem multiprofessionellen Team (Schulsozialarbeit, Schulpsychologie) oder in Zusammenarbeit mit externen Anbieter:innen begleitet werden.

8. Ausbau der Schulpsychologie und Schulsozialarbeit

Im kommenden Schuljahr werden 70 neue Planstellen für die Schulpsychologie geschaffen, nachdem schon im vergangenen Schuljahr um 70 aufgestockt wurde. 2027 soll der Ausbau abgeschlossen werden, sodass dann 200 Schulpsycholog:innen mehr zur Verfügung stehen.

9. Kopftuchverbot

Ab dem Schuljahr 2026/27 gilt ein Kopftuchverbot für unmündige Schülerinnen. Ziel der Regelung ist der Schutz der Schülerinnen vor äußerem religiösem oder familiärem Druck und die Sicherung eines diskriminierungsfreien Lernumfelds. Verstößt eine Schülerin gegen das Verbot, wird zunächst das Gespräch gesucht, kommt es danach zu einem weiteren Verstoß, führt die Bildungsdirektion ein Folgegespräch. Erst wenn das Verbot danach weiterhin nicht beachtet wird oder die Erziehungsberechtigten den Gesprächen fernbleiben, liegt eine Verwaltungsübertretung vor, für die die Bezirksverwaltungsbehörde im Rahmen eines Verwaltungsverfahrens eine Geldstrafe verhängen kann. Lehrer:innen sind in diesem Zusammenhang nicht für Sanktionen zuständig. Ihre Aufgabe ist es, Verstöße gegen das Kopftuchverbot zu erkennen und der Schulleitung zu melden. Die weiteren Schritte liegen bei Schulleitung, Bildungsdirektion und Bezirksverwaltungsbehörde. Bei Bedarf können multiprofessionelle Teams (Schulpsychologie, Schulsozialarbeit) hinzugezogen werden. Dabei gilt durchgehend, dass alle Gespräche diskriminierungsfrei und respektvoll zu führen sind und der Schutz der Schülerinnen im Vordergrund steht.

10. Schulstartgeld für Familien

Um sicherzustellen, dass alle Schüler:innen unabhängig von ihrer sozialen und finanziellen Situation gut am gemeinsamen Schulalltag teilnehmen zu können, werden zahlreiche Beihilfen angeboten:

  • Schul- und Heimbeihilfe für die Finanzierung schulischer Aufwendungen
  • Außerordentliche Unterstützung in Härtefällen
  • Besondere Schulbeihilfe für berufstätige Schüler:innen vor ihrer abschließenden Prüfung
  • Unterstützung für die Teilnahme an Schulveranstaltungen, z.B. Projektwochen, Schikurse oder Sprachreisen
  • Schülerfreifahrt und Schulfahrtbeihilfe
  • Ermäßigung von Betreuungs- und Nächtigungsbeiträgen bei ganztägigen Schulformen
  • Unterstützungsleistungen für Schüler:innen mit Behinderungen

Alle zehn Projekte folgen einem gemeinsamen Grundsatz: Unser Bildungssystem muß sich stärker an den tatsächlichen Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen ausrichten. Dafür müssen Ressourcen gezielt eingesetzt, Schulen mehr Gestaltungsspielraum gegeben und klare Standards geschaffen werden. Das ist die Richtung, in die wir das österreichische Bildungssystem weiterentwickeln. Wir starten gut vorbereitet in das Schuljahr 2026/27.

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