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Anthropic zeigt Europas digitale Abhängigkeit

Wenn eine Entscheidung in den USA reicht, um Europa den Zugang zu zentraler KI-Technologie zu erschweren, wird digitale Abhängigkeit zur politischen Frage. Europa muss die eigene Infrastruktur stärken, Innovationen hier halten und Cybersicherheit endlich als Grundversorgung verstehen.

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© NEOS / KI

Der Fall Anthropic zeigt ziemlich klar, worum es bei digitaler Souveränität geht. Anthropic ist eines der großen US-Unternehmen im Bereich Künstliche Intelligenz. Nach einer Anweisung der US-Regierung wurden bestimmte KI-Modelle vorerst für Nutzer:innen außerhalb der USA eingeschränkt. Hintergrund waren Sicherheitsbedenken: Die USA wollten verhindern, dass besonders leistungsfähige KI-Systeme von Staaten oder Akteuren genutzt werden, die damit militärische oder sicherheitsrelevante Ziele verfolgen könnten.

Das klingt einerseits nachvollziehbar, aber andererseits: Was passiert, wenn zentrale digitale Werkzeuge, auf die Europa angewiesen ist, nicht in Europa kontrolliert werden? Wenn eine Entscheidung in einem anderen Land reicht, damit Unternehmen, Forschungseinrichtungen oder öffentliche Stellen plötzlich nur noch eingeschränkt arbeiten können?

Genau deshalb ist digitale Souveränität kein Schlagwort mehr. Es geht nicht darum alles selbst zu bauen, aber es ist wichtig handlungsfähig zu bleiben und bei kritischen Technologien nicht nur Kund:in zu sein, sondern eigene Möglichkeiten, eigene Infrastruktur und echte Alternativen zu haben.

Öffentliche Beschaffung als politischer Hebel

Ein wichtiger Hebel dafür ist die öffentliche Beschaffung. Der Staat kauft jedes Jahr digitale Systeme, Software, Cloud-Lösungen, Sicherheitsinfrastruktur und KI-Anwendungen ein. Damit entscheidet er nicht nur, welches Programm auf welchem Schreibtisch läuft. Er entscheidet auch mit, welche Technologien wachsen können, welche Anbieter gestärkt werden und ob Europa bei Zukunftstechnologien nur zuschaut oder selbst mitbaut.

Wenn öffentliche Stellen bei Ausschreibungen stärker auf europäische Lösungen, offene Standards, Datensicherheit und digitale Souveränität achten, entsteht ein Markt. Die öffentliche Hand kann hier ein verlässlicher erster Kunde sein und damit helfen, dass gute Technologien nicht in Europa erfunden, aber anderswo groß gemacht werden.

Denn genau das passiert noch zu oft: Europa hat Ideen, Forschung, kluge Köpfe und innovative Unternehmen. Aber viel zu viele Technologien werden dann in den USA oder in China skaliert, finanziert und weiterentwickelt. Am Ende kaufen wir zurück, was hier begonnen hat – nur teurer, abhängiger und unter fremden Spielregeln. Europa muss besser darin werden, Zukunftstechnologien nicht nur hervorzubringen, sondern sie auch hier zu halten, hier wachsen zu lassen und hier in die Anwendung zu bringen.

Dazu gehört auch, dass der Staat selbst mit gutem Beispiel vorangeht. Wer von digitaler Souveränität spricht, muss in die eigene digitale Infrastruktur investieren: in sichere Rechenzentren, verlässliche europäische Cloud-Lösungen, moderne Verwaltungssysteme, starke Cyberabwehr und vertrauenswürdige KI-Anwendungen.

Besonders deutlich wird das bei der Cybersicherheit. KI macht Angriffe nicht neu, aber schneller, einfacher und professioneller. Sicherheitslücken können leichter gefunden werden. Phishing-Mails wirken glaubwürdiger. Betrugsversuche lassen sich besser personalisieren. Was früher Spezialwissen gebraucht hat, wird immer stärker automatisiert.

Digitale Souveränität beginnt dort, wo Europa echte Wahlmöglichkeiten hat. Wer bei Künstlicher Intelligenz, Cloud-Diensten oder Cybersicherheit ausschließlich von außereuropäischen Anbietern abhängig ist, gibt ein Stück seiner Handlungsfähigkeit aus der Hand.
Ines Holzegger

NEOS-Sprecherin für Digitalisierung, Datenschutz, Netzpolitik und Konsumentenschutz

Cybersicherheit ist keine Nebensache mehr

Wir werden in den nächsten Jahren mehr Cyberangriffe sehen – und ihre Folgen stärker spüren. Nicht nur in großen Konzernen, sondern auch in Gemeinden, Schulen, Krankenhäusern, Behörden und kleinen Unternehmen. Wenn digitale Systeme ausfallen, ist das längst kein IT-Problem mehr. Dann steht der Betrieb still, Daten sind gefährdet, Bürger:innen können Leistungen nicht abrufen und Vertrauen geht verloren. Im schlimmsten Fall kann das sogar gefährlich für Leib und Leben sein.

Darum muss Cybersicherheit Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge sein. So wie Straßen, Stromnetze oder Wasserversorgung funktionieren müssen, muss auch digitale Infrastruktur verlässlich und geschützt sein. Der Staat hat hier eine doppelte Verantwortung: Er muss seine eigenen Systeme absichern – und gleichzeitig Bürger:innen, Unternehmen und Institutionen besser unterstützen, Bewusstsein bei Bürger:innen und Unternehmen für das Thema schaffen und schärfen. Der Anthropic-Fall ist damit mehr als ein kurzer Tech-Aufreger – er ist ein Warnsignal.

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