
Klare Regeln und eine österreichweite Strategie für Rechenzentren
Wenn wir über Älterenbeschäftigung sprechen, müssen wir viel stärker über Gesundheit, Arbeitsfähigkeit, Qualifikation und Wiedereinstieg sprechen.

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Rund um die Beschäftigung älterer Menschen wurden in den vergangenen Wochen viele Modelle und Vorschläge diskutiert. Doch vor welchen Herausforderungen stehen wir tatsächlich und welche Maßnahmen sind aus unserer Sicht geeignet, diese Probleme zu lösen?
Das Problem beginnt nach dem Jobverlust
Ältere Beschäftigte verlieren nicht grundsätzlich häufiger ihren Job als andere Altersgruppen. Die eigentliche Herausforderung beginnt oft erst danach: Wer im höheren Alter arbeitslos wird, braucht deutlich länger, um wieder in Beschäftigung zu kommen. Ein wesentlicher Grund dafür sind gesundheitliche Einschränkungen. Während sie durchschnittlich rund 23 Prozent der Arbeitssuchenden betreffen, liegt der Anteil bei den über 55-Jährigen bei rund 45 Prozent.
Deshalb müssen wir früher ansetzen: bei Qualifizierung, Prävention und vor allem bei der Frage, wie vorhandene Arbeitsfähigkeit erhalten werden kann.
Das eigentliche Problem beginnt dann, wenn ältere Menschen einmal arbeitslos werden. Denn mit zunehmendem Alter dauert es deutlich länger, wieder in Beschäftigung zu kommen.Johannes Gasser
NEOS-Sprecher für Arbeit und Soziales
Nur alles oder nichts?
Unser Arbeitsleben kennt oft nur zwei Zustände: voll arbeitsfähig oder nicht arbeitsfähig. Die Realität ist aber differenzierter.
Wer nicht mehr 40 Stunden arbeiten kann, kann vielleicht sehr wohl 20 oder 25 Stunden arbeiten. Wer seinen bisherigen körperlich belastenden Beruf nicht mehr ausüben kann, kann möglicherweise eine andere Tätigkeit übernehmen. Genau für diese Menschen brauchen wir bessere Möglichkeiten.
Teilarbeitsfähigkeit kann hier eine wichtige Lücke schließen. Unser Ziel muss sein, vorhandene Arbeitsfähigkeit zu nutzen und zu erhalten, anstatt Menschen vorschnell vollständig aus dem Erwerbsleben zu verlieren.
Das muss mit einer Reform bei Rehabilitationen zusammengedacht werden. Unser NEOS-Grundsatz lautet: Reha vor Pension. Reha statt Arbeitslosigkeit. Entscheidend sollte sein, was jemand noch kann und welche Unterstützung notwendig ist, damit eine Rückkehr oder ein Verbleib in Beschäftigung möglich wird.
Rahmenbedingungen für ein Weiterarbeiten schaffen
Qualifizierung spielt dabei eine zentrale Rolle. Wer jahrzehntelang in einem körperlich belastenden Beruf gearbeitet hat, sollte nicht erst dann Unterstützung bekommen, wenn Arbeitslosigkeit oder Pension bereits unmittelbar bevorstehen. Umschulungen und Weiterbildungen für altersgerechte Tätigkeiten müssen frühzeitig möglich sein. Mit der Einführung der Weiterbildungszeit und der Abschaffung der nicht treffsicheren Bildungskarenz wurde dafür bereits ein wichtiger Schritt gesetzt.
Auch bei der Rückkehr in Beschäftigung braucht es gezieltere Unterstützung. Mit der Anpassung der bestehenden Eingliederungsbeihilfen und Kombilohnmodelle schaffen wir gerade für ältere Arbeitssuchende flexiblere und gezieltere Möglichkeiten. Ein Monitoring der Beschäftigung älterer Menschen kann außerdem helfen, Entwicklungen in Unternehmen und Branchen frühzeitig zu erkennen. Es sollte aber vor allem Beratung und Vermittlung ermöglichen, und nicht zum Instrument für pauschale Sanktionen werden.
Strukturelle Voraussetzungen für mehr Beschäftigung im Alter
Vor diesem Hintergrund sehen wir auch die aktuelle Debatte über ein Bonus-Malus-System und Quoten für ältere Beschäftigte kritisch. Denn Herausforderungen wie gesundheitliche Einschränkungen, fehlende Qualifikationen und unterschiedliche Voraussetzungen in Regionen und Branchen können nicht allein von einzelnen Unternehmen gelöst werden.
Deshalb gilt: Bevor wir Unternehmen neue Pflichten und Strafen auferlegen, müssen wir als Politik unsere eigenen Hausaufgaben machen. Menschen länger gesund im Erwerbsleben halten. Qualifizierung und Umschulung verbessern. Den Wiedereinstieg erleichtern. Und für jene, die nicht mehr voll, aber sehr wohl teilweise arbeiten können, endlich bessere Möglichkeiten schaffen.
Denn bei der Älterenbeschäftigung sollte nicht nur zählen, wie alt jemand ist. Entscheidend ist, was jemand noch kann.

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