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Pflege kann mehr,
wenn das System es zulässt

Damit Versorgung schneller und effizienter wird, müssen Kompetenzen und Befugnisse dort liegen, wo sie im Alltag gebraucht werden. 

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© Tirza Podzeit

Wenn Österreich eines hat, dann sind es gut ausgebildete Menschen in Gesundheitsberufen, die moderne Ausbildungen machen und dazu gibt es eine hohe Versorgungsqualität. Trotzdem erleben Patient:innen oft ein System, das dem nicht gerecht wird. Die Probleme sind vielfältig: lange Wartezeiten, unnötige Wege, doppelte Untersuchungen und viel zu viel Papierkram, bei gleichzeitig steigenden Kosten und jene, die im System arbeiten, kommen an ihre Grenzen. 

Wir müssen das Gesundheitssystem so weiterentwickeln, dass es einfacher, fairer und effizienter funktioniert. Der Kurs ist dabei entscheidend: weniger Umwege, mehr Zusammenarbeit und eine bessere Nutzung vorhandener Kompetenzen. 

Zu viele Umwege machen Versorgung teuer und langsam

Österreich ist im internationalen Vergleich stark ärztlich geprägt. Das zeigt sich nicht nur in Strukturen, sondern im Alltag. Viele Tätigkeiten sind an ärztliche Anordnungen gebunden oder brauchen explizite gesetzliche Regelungen, damit andere Gesundheitsberufe sie eigenständig übernehmen dürfen. Dadurch entstehen Schleifen, die Zeit kosten und Teams belasten. 

Das betrifft Krankenhäuser genauso wie die Versorgung außerhalb. Im Spital führt es zu mehr Bürokratie, weil Abläufe oft an formale Anordnungen gekoppelt sind. Im niedergelassenen Bereich bedeutet es für Patient:innen zusätzliche Wege, selbst wenn eine Pflegekraft oder ein:e Therapeut:in fachlich längst helfen könnte. Gerade dort, wo schnelle Versorgung entscheidend wäre, kann dieses System unnötig bremsen. 

Dazu kommt eine spürbare Ungerechtigkeit im Alltag: Gesetzlich versicherte Menschen erhalten nicht überall dieselben Leistungen in derselben Geschwindigkeit. Wer in einer Region mit schlechterer Versorgung lebt oder schwerer Termine bekommt, spürt das unmittelbar. Gleiche Betreuung darf kein Zufall sein, sondern muss Standard sein. 

Teamarbeit stärken und Pflege wirklich aufwerten

Das Gesundheitspersonal in Pflege, Medizinberufen, Assistenzberufen oder auch in der Pharmazie tragen die Versorgung jeden Tag.  Ihre Ausbildungen wurden weiterentwickelt, viele Bereiche sind akademisiert, Spezialisierungen wurden aufgebaut. Trotzdem wird dieses Wissen in der Praxis oft nicht so genutzt, wie es möglich wäre. Das schadet nicht nur dem System, sondern auch der Attraktivität der Berufe. 

Wenn Pflegekräfte ständig am Limit arbeiten, liegt das nicht nur an der Menge der Arbeit, sondern auch daran, wie Aufgaben verteilt sind und wie oft sie von jedem dokumentiert werden müssen. Viele Handgriffe, Entscheidungen und Abläufe könnten in modernen Teams effizienter organisiert werden, wenn Kompetenzen klar geregelt und tatsächlich nutzbar sind. Das entlastet Ärzt:innen, weil sie sich stärker auf jene medizinischen Aufgaben konzentrieren können, die wirklich ärztliche Expertise brauchen. Es entlastet Pflege und Therapeutinnen, weil Verantwortung nicht blockiert, sondern sinnvoll ermöglicht wird. 

Wichtig ist dabei, dass Reformen nicht bei Überschriften stehen bleiben. Neue Kompetenzen müssen im Alltag ankommen. Dafür braucht es klare Regeln, praxistaugliche Umsetzungen und dort, wo vorgesehen, auch die nötigen Verordnungen. Nur so wird aus einer guten Idee echte Entlastung. 

Ein weiterer Schlüssel ist die Digitalisierung. Wer in einem Team behandelt, muss auch als Team informiert sein. Wenn Befunde, Therapieverläufe und relevante Informationen nicht rasch und sicher verfügbar sind, entstehen Doppelgleisigkeiten und vermeidbare Kosten. Patient:innen sollen nicht länger die Rolle übernehmen müssen, Informationen von A nach B zu tragen. Eine bessere digitale Zusammenarbeit reduziert Wege, spart Zeit und stärkt die Qualität der Versorgung.

Im Gesundheitssystem müssen wir endlich begreifen, dass keiner ohne den anderen kann! Ärzte wären ohne Pflege aufgeschmissen und umgekehrt! Unsere Patienten brauchen aber selbstbewusste Pflege, die handeln darf, wenn sie handeln muss und das auch rechtlich abgesichert! 
Fiona Fiedler

NEOS-Sprecherin für Pflege und Menschen mit Behinderungen

Ambulant vor stationär und Pflege daheim ermöglichen 

NEOS steht für ein System, das stärker dort hilft, wo Menschen leben. Österreich ist noch immer stark auf Spitäler ausgerichtet. Das ist teuer und personalintensiv. Gleichzeitig ist die wohnortnahe Versorgung mit niedergelassenen Strukturen und gut organisierten Primärversorgungsteams im europäischen Vergleich ausbaufähig. Wenn der Grundsatz „ambulant vor stationär“ ernst genommen werden soll, dann braucht es spürbar mehr Versorgung im niedergelassenen Bereich und weniger unnötige stationäre Aufenthalte. 

Damit das funktioniert, braucht es nicht nur mehr Angebote, sondern auch bessere Steuerung. Strukturierte Versorgungswege helfen, damit Patient:innen schneller dorthin kommen, wo sie richtig sind. Ein Hausarztmodell kann dazu beitragen, dass die erste Anlaufstelle klar ist und unnötige Wege reduziert werden. Gerade für chronisch Kranke sind strukturierte Programme sinnvoll, weil sie Betreuung planbar machen, Komplikationen früher erkennen und Spitalsaufenthalte vermeiden können. Das ist medizinisch besser für die Patient:innen und langfristig günstiger. 

Auch in der Pflege gilt: Daheim soll möglich sein, bevor ein Heim oder ein Spital zur einzigen Option wird. Mobile Dienste, Community Nurses und präventive Angebote können Menschen länger in ihrer gewohnten Umgebung unterstützen. Das entspricht dem Wunsch vieler Betroffener und ist in vielen Fällen auch die wirtschaftlichere Lösung. Gleichzeitig braucht es bessere Unterstützung für pflegende Angehörige, damit sie diese Aufgabe nicht allein tragen müssen. 

NEOS setzt sich für ein Gesundheitssystem ein, das weniger Umwege kennt und vorhandene Kompetenzen besser nutzt. Dort, wo Konsens möglich ist, müssen wir rasch umzusetzen. Pflege kann mehr, viele Gesundheitsberufe können mehr. Wenn das System es zulässt, gewinnt am Ende jeder: die Patient:innen, die Beschäftigten und auch die öffentlichen Finanzen.

Mehr dazu im Podcast:

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