Was ist Korruption?

Kalte Progression

Trotz jährlicher Lohn- und Gehaltserhöhungen entsteht für Bürger_innen im Durchschnitt eine steuerliche Mehrbelastung. Das wird im engeren Sinn als „Kalte Progression“ bezeichnet. Bürger_innen verfügen, aufgrund von Inflation und der höheren Besteuerung, über weniger Geld, obwohl Löhne und Gehälter gestiegen sind. 

Wir erklären dir, wie das genau zustande kommt, was das mit der Inflation zu tun hat, welche Alternativen es zur Kalten Progression gibt und weshalb sie noch immer existiert.

 

Schau dir jetzt unser Erklärvideo an:

 

Was ist die Kalte Progression? 

Die Kalte Progression ist eine durchschnittliche, steuerliche Mehrbelastung, die entsteht, obwohl es zu Lohn- und Gehaltserhöhungen kommt. 

Zurückzuführen ist die Kalte Progression auf folgende Faktoren: die jährliche Inflation und die progressive Versteuerung von Einkommen, die in Österreich nicht an die Inflation angepasst wird. 

Da die Tarifstufen der Einkommensteuer (ESt) nicht an die Teuerungen angepasst werden, kommt es zu einer heimlichen Steuererhöhung. Diese führt dazu, dass etliche Bürger_innen jährlich weniger Geld zur Verfügung haben, obwohl Löhne oder Gehälter gestiegen sind.

 

Normale Progression vs. Kalte Progression 

Die normale Progression geht von einer höheren steuerlichen Belastung von Höherverdienenden aus. Die Kalte Progression betrifft jedoch vordergründig Personen mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Jährliche Lohn- und Gehaltserhöhungen schlagen sich für Niedrig- und Mittelverdiener_innen Jahr für Jahr in einer steigenden steuerlichen Belastung nieder.

Die Kalte Progression kann vermieden werden, indem auch die Tarifstufen und Steuerabsetzbeträge jährlich erhöht und an die Inflation angepasst werden. 

 

Kalte Progression und die Einkommensteuer

In Österreich wird Einkommen progressiv in sechs aufsteigenden Tarifstufen versteuert. Das bedeutet, dass der Steuersatz steigt, je höher das Einkommen ist. Das Einkommen wird in Österreich somit, je nach Tarifstufe, mit unterschiedlichen Steuersätzen versteuert. Eine regelmäßige Gehaltserhöhung führt somit zum Vorrücken in einen höheren Einkommensteuertarif. 

Ein Bruttojahreseinkommen von bis zu 11.000 Euro (Stand Mai 2022) ist steuerfrei. Es wird keine Einkommensteuer fällig. In der Tarifstufe 1 beträgt der Steuersatz 20% und steigt bis zur Tarifstufe 6 auf 55 %. 

Beispiel der Kalten Progression und Einkommensteuerberechnung anhand eines Bruttojahreseinkommen von 29.500 Euro: 

  • Für 11.000 Euro wird keine Einkommensteuer eingehoben 
  • Für 11.001 Euro bis 18.000 Euro wird der Steuersatz von 20 % (Tarifstufe 1) fällig
  • Für 18.001 Euro bis 29.500 Euro wird der Steuersatz von 35 % (Tarifstufe 2) fällig (Mit Juli 2022 reduziert sich der Steuersatz auf 30 %)
  • Einkommen über 31.000 Euro unterliegt bereits der nächsten Tarifstufe in der Höhe von 42 % (mit Juli 2023 erfolgt eine Reduktion auf 40 %). Die in Österreich von Gewerkschaften verhandelten Lohn- und Gehaltserhöhungen führen somit Jahr für Jahr zu einem Vorrücken in eine höhere Besteuerung des Einkommens. 

 

Kalte Progression und Inflation

Leben wird in Österreich jedes Jahr teuer, dazu zählen Kosten für: 

  • Wohnen, Wasser und Energie, 
  • Freizeit und Kultur, 
  • Restaurants und Hotels, 
  • Verkehr, 
  • Lebensmittel und 
  • Nachrichtenübermittelung. 

Diese Preissteigerungen in einer Volkswirtschaft werden als Inflation bezeichnet. In Österreich betrug die Inflationsrate 2021 2,8 Prozent. Bei der Berechnung, wie stark sich die Kalte Progression auswirkt, muss somit auch die jeweilige Inflationsrate einbezogen werden. 

 

Auswirkungen der kalten Progression auf Steuereinnahmen 

Die schleichende Steuererhöhung aufgrund der Kalten Progression führt zu steigenden Steuereinnahmen beim Finanzministerium. Diese zusätzlichen Steuereinnahmen belaufen sich auf 600 Mio. bis zu 1,5 Mrd. Euro pro Jahr. Die Agenda Austria berechnet resultierend aus der Kalten Progression für Österreich bis 2024 sogar heimliche Steuereinnahmen von 2,1 Milliarden Euro

Die Kalte Progression bedeutet für die Bundesregierung somit Mehreinnahmen, die es ihnen ermöglichen, Steuerreformen, Steuererleichterung oder sonstige Entlastungen zu erlassen. Mit diesen Entlastungen wird den österreichischen Bürger_innen jedoch ausschließlich ein Teil der durch die Kalte Progression entstehende versteckte Steuererhöhung zurückgegeben. 

 

Beispiel für die kalte Progression 

Louisa ist seit 12 Jahren Pharmareferentin und verdient aktuell 45.000 Euro brutto im Jahr. Das sind 3.214,29 brutto im Monat, netto bleiben ihr pro Monat nach allen Abzügen 2.180,68 Euro. 

Louisa erhält jährlich eine Gehaltserhöhung. Dieses Jahr sind es 2,5 Prozent. Damit verdient sie ab jetzt pro Monat 81,36 Euro brutto mehr. Netto sind das knapp 39 Euro. Die Gehaltserhöhung schlägt sich netto somit nur gering nieder. Berechnen wir die jährliche Inflation mit ein, die Louisa und alle anderen Österreicher_innen dieses Jahr durchschnittlich mit 2,8 Prozent trifft, so kann die Gehaltserhöhung die Teuerungen nicht ausgleichen. 

Zusätzlich ist Louisa nicht bewusst, dass sie durch die jährlichen Gehaltserhöhungen in den Tarifstufen der Einkommensteuersätze in die Steuerklasse 3 vorgerückt ist und die Steuerbelastung prozentual stärker gewachsen ist, als ihr Gehalt. Die Kalte Progression trifft Louisa, ohne dass sie es bemerkt. 

 

Kalte Progression: Kritik & Lösungen 

Jährlich bedeutet die Kalte Progression für viele Bürger_innen Österreichs, dass die Steuerbelastung prozentual stärker steigt als das Bruttoeinkommen. Lohn- und Gehaltserhöhungen führen also durch die kalte Progression nicht unbedingt zu mehr Geld bei den Bürger_innen. Schon gar nicht, wenn enormen Preissteigerungen in Betracht gezogen werden. Das muss jedoch nicht so sein, würde auch das Steuersystem jährlich an die gestiegenen Preise angepasst werden. In anderen Ländern, wie zum Beispiel in der Schweiz, in Frankreich und in den USA ist diese Vorgehensweise bereits umgesetzt. 

Aus gutem Grund ist die Kalte Progression deshalb Mittelpunkt vieler politischer Diskussionen und verschiedenste Regierungen haben die Abschaffung der kalten Progression als Programmpunkt in ihren Wahlkämpfen gelistet. Abgeschafft wurde sie bis heute nicht und so wird weiterhin das Geld der Steuerzahler_innen schleichend durch eine Steuererhöhung an das Finanzministerium abgeführt.

 

NEOS wollen Kalte Progression sofort abschaffen:

Schon unzählige Regierungen versprachen sie, bisher kam nicht mehr als heiße Luft: die Abschaffung der "schleichenden" jährlichen Steuererhöhung, der "Kalten Progression". Speziell den Fleißigsten im Land legt sie Steine in den Weg: Denn über Lohnerhöhungen kann sich am Ende eigentlich nur einer richtig freuen - und zwar der Finanzminister. Wir NEOS wollen dem schleunigst einen Riegel vorschieben und die kalte Progression endlich eiskalt abschaffen!