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„Kannst du mir kurz helfen?“ – Warum digitale Hilfe nicht (nur) zur Familienpflicht werden darf

Wenn aus einer kurzen Frage schnell eine Daueraufgabe wird.

Kopp Heidrun NEOSplus-1920x1080

Das Dilemma von Melanie (30) in „Ö3 Frag das ganze Land“ zeigt, wie sehr digitale Überforderung inzwischen mitten in unseren Familien angekommen ist. 72 % der Befragten sagen JA zur Frage, ob man Eltern bei Handy, Laptop & Co. helfen sollte, nur 28 % sagen Nein. Das zeigt, wie selbstverständlich digitale Unterstützung innerhalb der Familie inzwischen geworden ist. Und trotzdem greift mir die Diskussion um dieses Dilemma zu kurz.  

Denn natürlich helfen wir unseren Eltern. Natürlich erklären wir zum x-ten  Mal, wo man etwas anklicken muss, setzen Passwörter zurück oder schauen nach, warum das Handy plötzlich anders aussieht. Auch ich kenne dieses Dilemma aus meiner eigenen Familie – wobei meine technische Expertise meist nur im Notfall gefragt ist. Hier sind eher die jüngeren Familienmitglieder die erste Anlaufstelle. 

Und das ist auch gut so. Jüngere Menschen können und sollen helfen. Familie bedeutet schließlich auch, füreinander da zu sein. 

Aber: Wenn die Frage „Kannst du mir kurz helfen?“ irgendwann dazu führt, dass man sich auf den nächsten Familienbesuch schon mit einer To-do-Liste einstellt, läuft etwas schief. 

Denn die entscheidende Frage ist für mich nicht: Warum sind junge Menschen von ihren Eltern genervt? Die entscheidende Frage ist: Warum brauchen so viele ältere Menschen überhaupt so regelmäßig Hilfe? 

Heute ist Digitalisierung kein Zusatz mehr. Sie ist Voraussetzung für die Teilhabe am Alltag. Wir kaufen ein, buchen Reisen, bezahlen Rechnungen, kommunizieren mit Behörden und verwalten unser Leben digital. Gleichzeitig ändern sich Anwendungen ständig. Updates, neue Passwörter, neue Systeme und neue Sicherheitsanforderungen machen selbst einfache Dinge kompliziert. 

Das können wir nicht einfach zur Familienangelegenheit erklären. 

Das familiäre Netzwerk ist wertvoll – aber es darf nicht zur (alleinigen) digitalen Infrastruktur der Gesellschaft werden. Denn was macht jemand, der keine Kinder oder Enkel hat, die helfen können? 

Hier müssen Unternehmen, Anbieter digitaler Produkte und auch die öffentliche Verwaltung Verantwortung übernehmen. Digitale Angebote müssen verständlich, zugänglich und möglichst einfach sein. Und es braucht weiterhin analoge, kostenlose Anlaufstellen, bei denen Menschen Unterstützung bekommen – ohne das Gefühl haben zu müssen, „nicht digital genug“ zu sein. 

Wie erleben Sie das? Brauchen Sie selbst manchmal Hilfe bei Handy, Laptop, Online-Banking oder digitalen Behördenwegen? Was funktioniert für Sie gut, wo stoßen Sie an Grenzen? Und vor allem: Was müsste sich ändern, damit Sie digitale Angebote selbstständiger und mit weniger Stress nutzen können? Teilen Sie Ihre Erfahrungen und Ihre Vorschläge mit uns – denn Ihre Perspektive ist wichtig, wenn wir darüber sprechen, wie Digitalisierung für alle Generationen funktionieren kann. 

Zum Nachhören:  

https://oe3.orf.at/player/20260829/3FDL/1788012542000 

Dr. Heidrun Kopp MBA MA, ESG-Expertin & wissenschaftliche Leiterin von ESG-Ausbildungen:  Schwerpunkt digitale Inklusion älterer Personen 

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