NEUSTART UNTERNEHMERISCHES ÖSTERREICH

Eigenkapital als Antikörper der unternehmerischen Krise

27. Mai 2021
NEOS TEAM

Heimische Unternehmen brauchen jetzt neue Kraft und Widerstandsfähigkeit. Dafür ist eine Stärkung des Eigenkapitals notwendig. Eigenkapital ist sozusagen der Antikörper der unternehmerischen Krise. Wir müssen jetzt einen echten Neustart für Unternehmen ermöglichen und die richtigen Rahmenbedingungen schaffen, damit sich dieser Antikörper entfalten kann.

Der österreichische Kapitalmarkt ist und bleibt unterentwickelt. Für Beteiligungskapital gibt es hohe bürokratische Hürden und im internationalen Vergleich sind die Einkünfte von Eigenkapital hoch besteuert. Auch bei der der Ausstattung mit institutionellem Vermögen ist Österreich klar im internationalen Hintertreffen. Und Investitionen von Private-Equity-Fonds sind in Schweden oder Dänemark im Vergleich zur Wirtschaftsleistung zehnmal so groß wie hierzulande. Die österreichische Kapitalmisere hat also viele verschiedene Gründe.

Zaghafter Schritt in die richtige Richtung

Endlich scheint auch die Bundesregierung eingesehen zu haben, dass es so nicht mehr weitergehen kann. Wir NEOS begrüßen alle Maßnahmen, die den Standort nachhaltig stärken und die Eigenkapitalausstattung unterstützen. Das Ende der steuerlichen Diskriminierung von Eigenkapital ist ein guter erster Schritt. Eine hohe Eigenkapitalquote ist nämlich nicht nur aus unternehmerischen Gründen wichtig. Hohes Eigenkapital macht Unternehmer_innen grundsätzlich zuversichtlicher.

Reformrakete statt Lippenbekenntnissen

Damit derartige Maßnahmen allerdings nachhaltig zu einem widerstandsfähigen Wirtschaftsstandort beitragen, muss ihre Umsetzung möglichst ambitioniert geschehen. Es braucht mehr als nur Lippenbekenntnisse der Regierung! Ein Schritt in die richtige Richtung schafft noch nicht die nötigen Rahmenbedingungen, die der Antikörper Eigenkapital braucht, um sich zu entfalten. Vor allem, wenn es ein Schritt ist, der nur langsam wirkt – und vor allem nur den aktuell bereits profitablen Unternehmen nützt. Um tatsächlich für eine gesunde Eigenkapitalausstattung der heimischen KMU zu sorgen, braucht es mehr. Wir müssen jetzt die Reformrakete zünden!

Das NEOS Lab hat deshalb fünf Maßnahmen ausgearbeitet, die es dringend zusätzlich zur steuerlichen Gleichstellung von Fremd- und Eigenkapital braucht:
  1. EIGENKAPITAL BEI KRISENINSTRUMENTEN NICHT MEHR BENACHTEILIGEN - Rettungspakete wie der Fixkostenzuschuss bevorzugen Schulden gegenüber Eigenfinanzierung, weil sie nur Kreditzinsen ersetzen. Dadurch entsteht eine milliardenschwere Eigenkapitaldiskriminierung. Um treffsicherer zu sein, sollten eher Verluste ausgeglichen als Kosten ersetzt werden.
  2. PRIVATES KAPITAL MOBILISIEREN - Es braucht gerade in den Branchen, die 2020/2021 hohe Verluste gemacht haben, schnelle Rekapitalisierungs-möglichkeiten. Der Staat sollte hier privates Kapital mobilisieren statt selbst nationalisieren. Mithilfe von Garantien kann die öffentliche Hand die derzeit noch hohen Risiken der Pandemie abfedern.
  3. VORSORGE STÄRKEN - Österreich hat gerade einmal 6% der heimischen Wirtschaftsleistung in privaten und betrieblichen Vorsorgeplänen - Dänemark hingegen über 200%, die Niederlande 180% und Schweden 90% Prozent. Österreich fehlen diese großen Investoren für eine Rekapitalisierung mit Eigenkapital.
  4. SPAREN EMPOWERN - Sparen muss sich wieder lohnen! Dafür müssen die Menschen aber auch wissen, welche Möglichkeit sie haben. Eine breit angelegte Kampagne zur Stärkung der Finanzbildung (auch an Schulen und anderen Bildungsinstitutionen) wäre daher wichtig, um informierte eigenverantwortliche Finanzentscheidungen zu unterstützen.
  5. MITARBEITER_INNEN-BETEILIGUNG ENDLICH ERMÖGLICHEN - Die österreichischen Arbeitnehmer_innen sind viel zu selten direkt am Erfolg ihrer Unternehmen beteiligt. Möglichkeiten für eine unbürokratischere Beteiligung am Gewinn und steuerliche Anreize für Beteiligungen könnten den Standort und den individuellen Vermögensaufbau nachhaltig stärken.

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